Sep 25, 2010
Review: Jimmy Eat World – Invented
Deja Entendu war ursprünglich mal für meine Plattenrezensionen gedacht und deswegen muss ich wohl auch trotz aller Faulheit endlich mal damit anfangen. Guten Anlass dazu haben mir Jimmy Eat World gegeben, die zu meiner Überraschung gestern ihr mittlerweile achtes Studioalbum veröffentlicht haben.
Als langjähriger Fan der Band aus Arizona darf ich mir natürlich keinen Ton der Jungs entgehen lassen und war bisher in den meisten Fällen eher begeistert bis mindestens sehr angetan von den eher seichten Musikstücken. Doch entweder hat mein Geschmack in den letzten drei Jahren eine starke Wendung erlebt oder Jimmy Eat World sind wirklich nicht mehr das, was sie mal waren.
Invented klingt passend zum Titel gar nicht mehr stark nach meinen Jugendhelden. Dass die Ecken und Kanten seit Static Prevails und Clarity verschwunden sind, sollte uns allen mit traurigen Augen mittlerweile bewusst sein. Aber auch die Schmuseschiene, die 2004 auf Futures noch so hervorragend funktionierte, geht bei Invented schlussendlich nicht mehr auf. Das Album verliert sich zwischen völlig belanglosen Kuschelnummern und Pop-Songs, die sich nur auf ihren Refrain verlassen und daran kläglich scheitern. So klingen Teile von “Higher Devotion” auf’s erste Hören richtig prima, bieten aber absolut keine Ohrwurmqualität und haben deswegen keinerlei Bestand. Und Ohrwurm-Garantie ist für Bands der Sorte Jimmy Eat World nunmal unabdingbar. Das fällt spätestens auf, wenn man sich nach 51 Minuten von Invented an nur einen Song erinnern kann.
Hervorheben muss ich deswegen den einzigen Song, der an Futures-Qualitäten heran kommt: “Cut” ist, was es ist und kann damit durchweg berühren, schafft es aber trotzdem nicht, diese Platte aus dem Dreck zu ziehen, in den sie sich selbst befördert hat.
Was mich ganz besonders irritiert ist der ständige Frauenbackground, der zuletzt Coheed & Cambria völlig untauglich für die Bühne gemacht hat. Was bei zig Indie-Bands, die sowieso Frauen an Bord haben, wunderbar funktionieren kann, wirkt bei gefestigten Bands einfach nur peinlich. Sich mit allen Klauen an aktuellen Trends festzuklammern, geht für die meisten Künstler schlecht aus. Wann sind wir endlich so weit, dass diese Tatsache auch in den Köpfen der Menschen ankommt?
In Zeiten, in denen es mir eh schon schwer fällt, gute Bands und gute Platten zu finden, ordnen sich meine ehemaligen Helden nun auch in die Schublade der Belanglosigkeit ein. Ich sollte also wieder Static Prevails auf voller Lautstärke hören und in der Vergangenheit leben.
Jimmy Eat World – My Best Theory (oder auch: ein nettes Video zu einem eher mäßigen Song):
Weitere Links:
Last.fm / Wikipedia / Webseite

Kristin, 25 Jahre jung, aufgewachsen im Sauerland, jetzt wohnhaft in Hamburg. // PR-Frau, Bloggerin, Gamer Girl, Musikerin, Serien-Freund, Kunst-Liebhaberin, Geek, Bücher-Fan, verliebt, besessen von Portland, OR und Fallout. Ich blogge über alles, was mir in den Sinn kommt und irgendwie mit Kultur zu tun hat, manchmal aber auch über wirren und unwichtigen Mist. Mehr über mich gibt's auf der About Me-Seite.



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